Die Einrichtung einer Informationsplattform zu den kulturellen Aktivitäten rund um den Gesundbrunnen entstand zunächst aus dem Wunsch, der allzu sehr an den Defiziten orientierten Darstellung dieses Stadtviertels etwas Wirksames entgegenzusetzen. Bei einer ersten Analyse fiel auf, dass es in diesem Viertel zahlreiche stadtweit bedeutende Aktivitäten gibt, die in der Öffentlichkeit jedoch kaum wahrgenommen werden. Im Verlauf von Zusammenkünften und Gesprächen mit Vertretern kultureller Einrichtungen und der Kreativwirtschaft formte sich die Idee zur Bündelung des vorhandenen Potentials. Im Fokus stehen dabei Aktivitäten, denen eine berlinweite Bedeutung beigemessen wird.

Diese Dokumentation begreift sich als eine an den Potentialen ausgerichtete Betrachtungsweise dieses interessanten Lebensraums. Dabei wird ein mehrdimensionaler Ansatz verfolgt. Zum einen sind die heutigen Entwicklungen in ihrem historischen Kontext zu verstehen sowie angemessen zu würdigen, zum anderen gibt es keine eindeutige Ausdeutungsebene dieses Viertels. Dieser differenzierte Ansatz entstand aber auch vor dem Hintergrund der unterschiedlichsten Bedeutungsebenen, die einzelnen Bauwerken oder historischen Orten an sich schon innewohnen. Als Beispiel sei hier die „Gartenstadt Atlantic“ angeführt. Diese Wohnsiedlung ist unter dem Blickwinkel der Architektur ein bedeutendes Bauwerk der 20er Jahre des letzten Jahrhunderts. Im Kontext der Entwicklung des „Stadt-Grüns“ ist sie Ausdruck der Gartenstadtbewegung. Mit den Künstlerateliers, die sie beherbergt, ist sie aber auch ein Teil der Kunst- und Kulturlandschaft. Unter dem Fokus der Veranstaltungsorte stellt das „Lichtburgforum“ mit seinem vielfältigen Programm eine wichtige Einrichtung der Kultur und Bildung dar. Mit ihrer Historie des jüdischen Besitzers, dessen Emigration und der später erfolgten Rückübertragung, kann die „Gartenstadt Atlantic“ als ein Lernort der Geschichte betrachtet werden. Mit den dort stattfindenden deutsch-jüdisch-türkischen Kulturveranstaltungen ist sie ein wesentlicher Bestandteil des interkulturellen Lebens im kultur-standort-mitte-nord.

Im ersten Teil der Dokumentation werden die Aktivitäten und Institutionen aus Kunst, Kultur und Bildung in den Kontext von Architektur und Stadtgeschichte gestellt. Der zweite Teil deutet den Stadtraum als einen wichtigen „Grün-Raum“ Berlins aus. In einer Auflistung sind im dritten Teil einige Stationen des „Lernortes-Geschichte“ zusammengefasst. Diese Dokumentation begreift sich auch als Aufforderung, dem Stadtraum weitere Interpretationen und Sichtweisen hinzuzufügen. Wir werden als nächste Schritte unsere Aufmerksamkeit einerseits dem internationalen Leben und anderseits den Orten der Musik und Kultur widmen. Diese Dokumentation will auf diesen Stadtraum aufmerksam und neugierig machen. Sie schließt an einen ersten Bericht vom Juli 2009 über die Initiative an, der den Diskussionsprozess zusammenfasst.

Zur Einordnung in das Gesamtgefüge der Stadt sei darauf verwiesen, dass sich dieser Stadtraum gleichermaßen in nur sechs Kilometern Entfernung vom Hauptbahnhof, vom Brandenburger Tor sowie vom Alexanderplatz befindet und in nord-östlicher Richtung zwischen S-Bhf. Wedding und dem S-Bhf. Wollankstraße verläuft. Zur besseren Lesbarkeit von links (SBhf. Wedding) nach rechts (S-Bhf. Wollankstraße) wurde bei der Darstellung von der üblichen „Nordung“ der Grafiken abgesehen. So sind die Pläne zur Darstellung dieses Kulturstandortes um 35 Grad nach rechts gedreht.

Da es sich bei dieser Dokumentation um eine thesenartige Zusammenfassung handelt, die darauf angelegt ist, Diskussionen anzuregen, wurde bei der Bearbeitung auf Anmerkungen und Fußnoten verzichtet. Auch liegt der Auswahl von Institutionen, Bauwerken und historischen Orten noch keine umfassende wissenschaftliche Betrachtung zu Grunde. Diese Präzisierung wird im Laufe des Prozesses und bei einer intensiveren Bearbeitung der Themen erfolgen. Die Darstellung versteht sich vor allem als eine erste Visualisierung der Vielfältigkeit in diesem Teil von Berlin.

Im Hinblick auf den Kulturstandort besteht vor allem der Wunsch, Entwicklungen in diesem Stadtraum zu fördern, insbesondere die der Wirtschaft. Dies kann und soll über die Felder Kultur, Bildung und Tourismus geschehen. In Abwandlung des Begriffs „Slow-Foot“ wäre es darüber hinaus wünschenswert, einen „Slow-Tourismus“ zu konzipieren, der sich an einem ernsthaften Interesse sowie einem respektvollen Umgang mit dem Stadtraum und dessen Bewohnern orientiert.

Die Dokumentation wurde von Eberhard Elfert zusammengestellt, der seit 25 Jahren stadtgeschichtliche Prozesse in Berlin begleitet und hierzu zahlreiche Kulturprojekte realisiert hat. Er ist heute im Tourismus, in der Erwachsenenbildung sowie im Eventmanagement tätig und seit einm Jahr Bewohner dieses Stadtraumes. Den Aufgaben der Vernetzung sowie der positiven Präsentation des standorts widmet er sich gerne und engagiert.